Die Stadt Frankfurt betreibt einen Social Media Newsroom. Ein Social Media Newsroom bietet Pressemitteilungen nicht nur “klassisch” an, sondern stellt auch Bloggern die notwendigen Materialien mit Hilfe aller zur Verfügung stehenden und passenden Web 2.0-Tools zur Verfügung. Der Spreadly Like-Button ist in das WordPress System des Social Media Newsroom SMNR-Frankfurt.de integriert.
Harald Ille ist Redakteur und Öffentlichkeitsarbeiter beim Presse- und Informationsamt der Stadt Frankfurt am Main. Er hat sich die Zeit genommen uns einige Fragen zu beantworten.

Interview mit Harald Ille
1.)
Wieso ist ein Social Media Newsroom für die Kommunikation von Frankfurt am Main wichtig? Seit wann gibt es SMNR-Frankfurt genau?
Den SMNR Frankfurt gibt es offiziell ab 8. August. Er ist jetzt aber schon online und wir hoffen, er wird reichlich genutzt. Ob er gefällt, können Sie ja über den Button messen… Für die Kommunikation ist es wichtig, unsere verschiedenen Kanäle zusammenzufassen. Im SMNR kann jeder auf einen Blick sehen, welche Social-Media-Kanäle wir bespielen und was dort passiert. Das bringt Transparenz, und wenn die User auf die einzelnen Angebote klicken, auch „traffic“.
2.)
Was sind die Besonderheiten des Frankfurter Social Media Newsrooms? Was können andere Kommunen und Städte von Frankfurt lernen?
Er ist nichts Besonderes; vielleicht nur, dass wir mit WordPress ein Open-Source-CMS verwenden und für das zugrunde liegende Theme nur 37 Dollar bezahlt haben. Wir gehen sehr verantwortungsvoll mit den Steuergeldern um, den Geldern unserer Bürger; das ist auch der Grund, warum wir so gezielt auf Social Media setzen: Es kostet (erstmal) nichts…
Der besondere Charme unseres SMNR ist, dass er unsere publizistischen Perlen prominent präsentiert: unsere Feature. Diese stellen Besonderheiten Frankfurts vor, und sie sollen Lust machen auf die Stadt und Diskussionen, Interaktionen wecken. Auf frankfurt.de ist dies derzeit noch nicht möglich.
3.)
Wie sieht der Arbeitsalltag eines Öffentlichkeitsarbeiters aus, der sich um einen Social Media Newsroom kümmert?
Der Newsroom ist ja nur eine Pinnwand, die einfach die Inhalte anzeigt, die wir anderswo veröffentlicht haben. Daher muss der Newsroom nicht inhaltlich, sondern nur technisch gepflegt werden. Okay, wir stellen unsere Feature und den Teaser für unsere Frankfurt.Info manuell ein, aber damit hat es sich auch schon. Spannend wird es, wenn wir auch Kommentare auf unsere Feature bekommen. Das ist neu für die Stadt. Die Inhalte selbst halten uns aber schon den ganzen Tag auf Trab: Wir posten einmal am Tag auf Facebook und verfolgen dann die Kommentare. Wir wollen nicht geschwätzig sein, verfolgen aber aktiv die Diskussionen – auch nach Feierabend, wenn es sein muss. Wir melden uns zu Wort, wenn wir sachliche Infos geben können, und moderieren. Auf Twitter sind wir etwas sprunghafter – da machen wir unsere Postings von der Attraktivität des Contents abhängig und ein wenig auch von unserer „Tagesform“.
4.)
Wie planen Sie die integrierte Kommunikation der Seiten SMNR-Frankfurt und Frankfurt.de?
Wir werden frankfurt.de im kommenden Jahr neu aufsetzen mit allen Social-Media-Funktionalitäten. Dann soll der SMNR integraler Bestandteil des neuen frankfurt.de sein. Der SMNR überbrückt diese Zeit und gibt und die Möglichkeit, fundiertere Erfahrungen mit einem Social Media Newsroom zu sammeln.
5.)
Wieso haben Sie den Spreadly Like-Button auf SMNR-Frankfurt (und zuvor auf Blogille) eingebaut? Woher kennen Sie den Button?
Ich haben den Button erstmals gesehen, als er noch „yiid“ hieß und eine ganze Reihe von Social-Bookmarking-Social-Sharing-Social-Sonstwas-Buttons ersetzen konnte. Eine One-Click-Lösung, die damals auch „Gefällt mir nicht“-Rückmeldung geben konnte – das war klasse! Mittlerweile hat sich der Button weiterentwickelt und ist dabei noch charmanter geworden: er ist Facebook-unabhängig, wird von einem regionalen Startup angeboten, und macht das Webdesign sauberer, weil er viele bunte Bookmarking-Buttons ersetzt. Wir wollen den Button bekannter machen, zeigen, dass es eine Alternative zum sehr fragwürdigen Facebook-Like gibt.
6.)
Aktuelle Studien belegen, dass die Resonanzanalyse im Bereich Social Media bei vielen Unternehmen zu kurz kommt mangels Zeit und Know-how? Wie messen Sie die Reichweite? Welche Tools nutzen Sie?
Reichweite ist für uns nicht allzu wichtig – wir sind ja kein global agierendes Unternehmen. Wir möchten ein Angebot für Frankfurterinnen und Frankfurter sein und natürlich auch für Frankfurt-Fans. Wir messen die Rückmeldungen daher qualitativ – kommt das an, was wir anbieten? Steigt die Zahl unserer Fans und Follower, oder stagniert sie? Darauf schauen wir längerfristig. Für Resonanzanalysen haben auch wir weder Zeit noch Geld noch Personal. Wir setzen dabei auf die „Macht der Vernetzung“ und hoffen, dass wir die Resonanz von unseren Followern erhalten. Wenn irgendwo im Netz eine relevante Diskussion losgeht, in die wir uns einschalten sollten, dann ist es nicht unmöglich, dass unsere Follower davon erfahren werden.
7.)
Wieso ist Ihrer Meinung nach Social Sharing wichtig?
So funktioniert soziales Miteinander: Jemand hat etwas anzubieten, weiß etwas, hat etwas gelesen, was für andere interessant sein könnte. Und die anderen nehmen das „Angebot“ gerne an und verbreiten es weiter, oder eben nicht. Es ist wie auf dem mittelalterlichen Markt, oder, für Frankfurt vielleicht noch besser passend, wie bei der Börse. Wenn man so will, ist „Social Sharing“ also das, was ein Gemeinwesen konstituiert, wie eine Gemeinde funktioniert. Weniger tiefschürfend formuliert: Die Sozialen Netze haben ihren Charme gerade wegen dieses Empfehlungscharakters, den Links innehaben. Über Soziale Netzwerke – und nur über sie – kann guter und wichtiger Content weitergetragen werden. So erreichen wir als Kommune auch Nutzer, die sich noch nie auf frankfurt.de verirrt haben oder die (noch) nicht Follower und Fans unserer Social-Media-Angebote sind. Social Sharing ist somit kostenloses Marketing…
8.)
Welche Herausforderungen warten auf Städte und Kommunen, die das Thema Social Media aktiv angehen wollen?
Zuerst einmal braucht man das „Go“ von oben. Das Frankfurter Presse- und Informationsamt hat das bereits vor über zwei Jahren von der Oberbürgermeisterin persönlich erhalten. Und wichtig ist, dass das Thema dann über die Hierarchiestufen hinweg ebenfalls vorangetrieben wird – unser Amtsleiter Nikolaus Münster (im Bild links) macht in der ganzen Stadt “Werbung” für diese neue Art der dialogorientierten Kommunikation. Dann braucht man viel guten Content, wenn man Imagearbeit über die Inhalte machen will, so wie wir. Oder – und da haben wir noch ein Defizit – man nutzt die Sozialen Medien für das Anliegenmanagement, für den klassischen „Bürgerdialog“ also. Da reicht es dann leider nicht aus, „nur“ zuzuhören. Man muss auf Anregungen und Kritik auch reagieren können. Wenn eine Parkbank kaputt ist, muss sie repariert werden, wenn ein Mülleimer überquillt, muss er geleert werden. Die Kommunikation allein löst kein reales Problem. Ich denke, wir werden bis Ende des Jahrzehnts eine „City 2.0“ haben, die viel mehr auf das Wissen der Vielen – also der Bürger vor Ort – setzt, die die Bürger wirklich als „Freunde“ und „Fans“ sieht und sie weitaus mehr als bisher in Verwaltungshandeln einbindet – gleichzeitig aber auch mehr Verantwortung von den Bürgern einfordert. Dieses radikale Umdenken in Behörden ist ein langfristiges Projekt.
9.)
Welche Tipps haben Sie für erfolgreiche Social Media Kommunikation?
Authentisch sein. Und einfallsreich sein. Das mögen für eine Kommune, die ja keine „Person“ ist, fragwürdige Handlungsanweisungen sein. Aber genau das ist der Schlüssel: Die amorphe, undurchsichtige Organisation „runterbrechen“ auf die Sicht der Bürger, und selbst die Sprache der Bürger sprechen – und nicht die juristisch-administrative, die man sonst von Behörden hört. Das dürfte ja nicht schwer sein – schließlich sind städtische Mitarbeiter ja selbst Bürger. Am wichtigsten und grundlegendsten aber ist, dass man verlässlich und ernsthaft den Dialog mit den Bürgern führt. Wenn eine Frage gestellt wird, muss man sie beantworten. Wenn ein Bürger spricht, muss man zuhören – und niemals nur senden, sondern immer auch empfangen! Da sein, wenn’s brennt, und keinesfalls auf eine technische Lösung setzen, die automatische Tweets postet. Social Media kosten zwar kein Geld, aber sehr viel Engagement und „Manpower“ – das müssen die Personalverantwortlichen wissen. Umsonst bekommt man es nicht, und je mehr Leute in den Kommunen mit Social Media-Kommunikation betraut sind, umso bunter wird das Bild, umso schneller und profunder kann „die Verwaltung“ antworten, und umso selbstverständlicher wird auch diese Art der Kommunikation – nein: des Dialogs!
Vielen Dank !
Wir haben zu danken…!