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Community-Test: Ikea Hej

Nach zögerlichen ersten Twitteraktivitäten und erfolgreichen, viralen Marketingstunts bei Facebook entert Ikea den Social Media Bereich nun richtig. Erst 2010 die eigene Community zu starten, mag auf den ersten Blick verspätet wirken, aber der schwedische Möbelgigant kann es sich angesichts seiner Marktführerpositionen und den trotz Wirtschaftskrise wachsenden Umsätzen wohl erlauben, einem Projekt eine gewisse Vorlaufzeit einzuräumen. Das weckt auf der anderen Seite natürlich Erwartungshaltungen, die es zu erfüllen gilt. Die “Hej Community” ist zum Erfolg verurteilt, schließlich ist die Zielgruppe gewaltig groß und das Standing des Konzerns und seiner Produkte in der öffentlichen Wahrnehmung überwiegend positiv.

Ikea geht technisch dabei einen eigenwilligen Weg, denn die gesamte Community ist Flash-basiert und schlägt den Suchmaschinen und Mobilgeräten damit die Tür vor der Nase zu. Natürlich ist man auch nicht darauf angewiesen, sich über Klicks und Werbeeinnahmen zu finanzieren, weshalb Hej sich am besten als eine marketingrelevante Daten sammelnde Hommage an den Konzern verstehen lässt. Eine gewaltige Werbekampagne im Vorfeld des Launchs fand ebenfalls nicht statt, Ikea begnügte sich damit, sein Publikum mit kostenlosen Mandeltartes für die ersten 22.222 User zu ködern, denn Liebe geht eben doch durch den Magen. Zusätzlich durfte man vor dem eigentlichen Start der Community auf der Hej-Domain eine reale Person namens Niels bei ihrem Leben im Ikearaum bewundern oder sich in einer “Green Box” filmen lassen, um später seinen eigenen animierten Avatar nutzen zu können. Diese Atmosphäre des gemütlichen Beisammenseins wird bei der Anmeldung konsequent fortgesetzt, denn wer mitmachen möchte, muss einige Daten von sich preisgeben und wird über die Ikea Family Card, die einem per Post zugeschickt wird, ein Mitglied der schwedischen Familie. Böse Zungen mögen von Zwangsrekrutierung sprechen, aber Ikea gibt sich mit der gesamten Community auch keine Mühe, den Eindruck zu zerstreuen, dass man die Brücke von der virtuellen Realität zu knallharten Umsätzen im Möbelhaus schlagen möchte.

Nach dem erfolgreichen Informationsaderlass bei der Registrierung kann man mit der Einrichtung eines persönlichen, virtuellen Raumes beginnen. Ein animierter Avatar hüpft durchs Flashkämmerlein, das man in allen erdenklichen Variationen mit Ikeaartikeln versehen kann. Von der Wandfarbe bis zur Tischdekoration hin sind der (wohl überwiegend weiblichen) Fantasie keine Grenzen gesetzt. Verhinderte Innenarchitekte dürften ihre helle Freude haben, wenn auch die nichtvorhandenen Freiheiten bei der Platzierung einzelner Gegenstände und die nervigen Ladezeiten den Spaß etwas trüben. In jedem Falle werden dem Nutzer hier, ohne dass er sich zum nächstgelegenen Einrichttunstempel bewegt hätte, ganz dezent die Artikel des Ikea-Sortiments nähergebracht. Ansonsten bietet Hej die übliche Palette an Communityfunktionen, die man erwarten würde: Man kann sich mit anderen Bewohnern anfreunden, deren Räume bewerten und kommentieren oder sich im überaus lebendigen Forum über den Aufbau von Möbeln, Gestaltungsmöglichkeiten und Produkte austauschen.

Fazit: Heimwerkercommunitys funktionieren seit Jahren ausgezeichnet und Ikea dürfte eine Menge Nutzer aus diesen kleineren Netzwerken abziehen. Hej präsentiert sich erwartungsgemäß vom Start an als eine lebendige Community, die weiteren Zulauf generieren wird. Der Dialog um die Marke Ikea wird in gleichem Maße boomen wie die Umsätze an den Ikeakassen. Über die Umsetzung der Seite in Flash und die manchmal aufdringlich wirkenden Farben und Animationen der Steuerungselemente lässt sich genauso streiten wie über den Sinn einer virtuellen Zimmereinrichtung, aber als Marketinginstrument und Kommunikationskanal wird Hej für Ikea zweifellos wertvoll werden.

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